Die FFWE im Wandel der Zeit

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Die Freiwillige Feuerwehr Eisenburg im Wandel der Zeit

Die Freiwillige Feuerwehr Eisenburg im Wandel der Zeit

Die nachweisbare Geschichte Eisenburgs beginnt 1208 mit der ersten urkundlichen Nennung des Dorfes unter der gleichnamigen Herrschaft der Ritter von Eisenburg. In der Zeit vor der Gründung einer Feuerwehr war es üblich, dass im Falle eines Brandes die verfügbaren  Anwohner selbst zu den Eimern gerufen wurden. Dies änderte sich erst mit der Organisation von Männern, die in der Bekämpfung von Feuer speziell ausgebildet wurden. Dies geschah auch in Eisenburg am 14.08.1887 durch die Gründung einer Feuerwehr.

Der Gründungsakt vollzog sich mit der Eintragung in den Kreisfeuerwehr-Verband Schwaben und Neuburg und einer Inspektion vor Ort durch den Bezirksvertreter Alois Himmer, Bürgermeister Frehner und Feuerwehrchargirte von Trunkelsberg und Schwaighausen.

Als Inventar war damals vorhanden: Eine zweirädrige Druckspritze, 16 m Druckschläuche, eine Anstell-Leiter mit Stützstangen, zwei Feuerhaken, eine Direktionsfahne, eine Feuerlaterne, acht Hängfene Wassereimer, eine Signalhupe, zwölf Messinghelme, sechs Gurte für Chargirte und sechs Gurte für Steiger mit Karabiner. (Die noch heute erhaltene vierrädrige Druckspritze stammt aus dem Jahr 1893, wurde am 21. September 1893 in das Geräteverzeichnis eingetragen und kostete 933,- Mark.)

Vermutlich hat unsere Feuerwehr schon vor ihrer offiziellen Gründung gelöscht, wurde doch am 12. März 1871 bei einer Feier eine Friedenslinde neben dem Feuerwehrrequisitenhaus gepflanzt.

Ihren ersten Brand nach der Gründung verzeichnete die Eisenburger Wehr am 13. Juli 1889 an der Straße nach Amendingen. Es brannte die Heuscheune von Frau Forster aus Augsburg durch Blitzschlag und wurde total zerstört. Schon damals zeichneten sich die Feuerwehren durch Schnelligkeit aus. So ergibt sich aus dem Brandbericht von Kommandant Anton Huß, dass das Feuer um 05.30 Uhr entstanden ist, der Feuerausbruch um 05.40 Uhr bekannt wurde und die Feuerwehr bereits zu selben Zeit am Brandplatz erschien.

In den Jahren 1902 bis 1906 waren einige Brände zu verzeichnen, die jeweils als Totalschaden endeten (1902 bei Josef Remmele, 1903 bei Paul Scheufele, 1906 bei Georg Schatz und Anton John). Dann folgten zwanzig ruhigere Feuerwehrjahre – bis auf ein paar auswärtige Brände -  und so konnte auch unsere Wehr an einigen Festlichkeiten teilnehmen: So bei der Einweihung der Forsterwarte 1907; bei der Eröffnung der Bahnhaltestelle am 1. Mai 1908; am 2. April 1909 wurde das erste Zeppelin gesichtet (im Herbst 1913 der erste Flieger) und im Jahr 1914 flammten in Schloss, Gasthaus und Gut ca. 200 elektrische Glühbirnen auf. Am interessantesten dürfte für die Feuerwehr das Jahr 1913 gewesen sein, wurde doch in diesem Jahr die gemeindliche Wasserleitung gebaut: Kosten 40.000 Mark.

Zum 25-jährigen Gründungsjubiläum am 8.06.1913 mit Übung, konnten die im Oktober angeschafften neuen Feuerwehrblusen voller Stolz gezeigt werden. Die Mannschaftsstärke unserer Wehr betrug damals 28 Mann.

Hart waren die Kriegsjahre 1914 bis 1918. So lauten die Eintragungen im Berichtsbuch:
01.01.1915: Mannschaftsstärke 25 Mann, davon 13 Mann im Feld
31.12.1916: Mannschaftsstärke 29 Mann, davon 19 Mann im Feld.
1917 bis 1918 waren 24 Mann einberufen. Die Einsatzfähigkeit der Feuerwehr konnte nur durch die Einführung der Feuerwehrpflicht vom 16. bis zum 60. Lebensjahr erhalten werden. Gefallen sind 6 Mann.

Am 31.12.1918 betrug die Mannschaftsstärke wieder 31 Mann und blieb die folgenden Jahre fast konstant. Die erste Übung mit einer Motorspritze fand am 08.07.1925 statt.

Den größten und schwersten Brand verzeichnete das Dorf in der Silvesternacht 1926 beim Brand des Schlosses. Bei eisiger Kälte und meterhohem Schnee waren die Feuerwehren Amendingen, Trunkelsberg, Memmingen, Ottobeuren und Eisenburg mit insgesamt 135 Mann, zwei Motorspritzen und drei Löschmaschinen im Einsatz. Der Alarm erfolgte um 20.00 Uhr am 31.12.1926. Als gelöscht betrachtet werden konnte der Brand am 01.01.1927 um 08.00 Uhr früh. Außer einem Mann, der in einen Nagel getreten war, gab es glücklicherweise keine weiteren Verletzten, der Sachschaden war jedoch groß.

Weitere Brände in den Jahren 1931 bei Arnold, 1932 bei Wohnhaas, 1933 bei Miller und 1936 in der Bleiche sorgten dafür, dass außer den regelmäßigen Inspektionen – im 3-Jahres-Turnus - die Geräte und Utensilien auf Funktionsfähigkeit getestet wurden. Die letzte Inspektion vor dem 2. Weltkrieg fand am 25.09.1938 statt.

In den Kriegsjahren 1939 bis 1945 wurden immer wieder Feuerwehrkameraden eingezogen, die Wehrstärke schmolz dahin und so wurde in den Jahren 1944/45 die Löschfähigkeit unserer Feuerwehr von folgenden Feuerwehrfrauen aufrechterhalten: Hilde Immler, Peppi Zillenbiller, Trudi Wohnhaas, Dora Zillenbiller, Anni Miller, Rosa Miller, Hedwig Riederle, Hanni Link und Finy Epple.

Am 25.05.1946 wurde die erste ordentliche Generalversammlung nach dem Krieg mit Neuwahl abgehalten. Am 18.10.1946 wurde die Handpumpe durch eine Motorspritze TS 8 – ohne Wagen – abgelöst.

Am 16.02.1947 fand wieder ein Feuerwehrball statt. Auch der alte Brauch des Maibaumaufstellens lebte wieder auf. Der damalige Aufstellungsort, heute gar nicht mehr vorstellbar, mitten auf der Straße vor dem Gasthaus.

Als in den 50 Jahren von der Gemeinde die Teerung der Ortsstraße in Angriff genommen wurde, begann eine neue Zeit für Eisenburg, da auch einige Oberflurhydranten gesetzt wurden.

In den 60er Jahren geschah außer der üblichen Routine nicht allzu viel. Erst der Neubau der Ortsdurchfahrt Anfang der 70er Jahre brachte einige Veränderungen mit sich, so die Kanalisation, ein neues Hydrantennetz, sowie die Zuschüttung des großen Löschteichs zu Gunsten des heutigen Schlossparks.

Einen tiefen Einschnitt in den Feuerwehralltag bedeutete die Eingemeindung 1976 nach Memmingen. Ein Teil der Selbstständigkeit ging dadurch verloren. Der lang gehegte Wunsch eines eigenen Feuerwehrhauses ging dafür 1978/79 mit Hilfe der Stadt in Erfüllung.

In der Nacht vom 13. auf den 14. März 1977  kam es für unsere Feuerwehr zum bisher größten Einsatz der Geschichte. Ein Feuer in der Taconfertigung der Firma Metzeler beschäftigte neben unserer Wehr, sämtliche Feuerwehren der Umgebung, sowie die hinzugezogenen Flughafenfeuerwehren aus  München und Frankfurt. Das Feuer konnte erst nach 4 Tagen und dem Einsatz von über 1000 Einsatzkräften, als gelöscht betrachtet werden.

Am 30.04.1979 konnte Kommandant Rudolf Eggensberger zum ersten Mal eine Generalversammlung im neuen Heim abhalten, dass mit viel Eigenarbeit gebaut wurde. Dafür musste allerdings das alte, ehrwürdige, aus Holz gebaute Feuerwehrhaus samt Trockenturm abgerissen werden. Ab dem darauffolgenden Jahr wurde der Maibaum, von der Familie Forster gestiftet, vor dem neuen Feuerwehrhaus aufgestellt.

Am 01.06.1986 konnte das neue Feuerwehrfahrzeug, ein Tragkraftspitzenfahrzeug in Betrieb genommen werden. Dadurch verbesserte sich die Schlagkräftigkeit unserer Wehr enorm.

Die 100-Jahr-Feier unserer Wehr wurde 1987 mit einem Festwochenende, sowie einem Festumzug gebührend gefeiert.

Verheerende Schäden, sowie zahlreiche Einsätze bescherte der Orkan „Wiebke“ im Frühjahr 1990.
Auch die Eisenburger Feuerwehr musste im Zuge dessen, über mehrere Tage, zahlreiche Sturmschäden beseitigen.

Die stetig wachsende Industrie spiegelte sich auch in der zunehmenden Zahl von Großbränden wieder. Am 19.04.1995 brannten fast alle Produktions- und Lagerhallen der Firma Cord in Memmingen. Großes Glück hatte einer unser Trupps, der während eines Innenangriffs verdächtiges Knirschen wahrnahm und die Halle gerade noch rechtzeitig verlassen konnte, bevor das Hallendach hinter ihnen einstürzte. Die Bilanz des Einsatzes war ein enormer Sachschaden. Jedoch konnte das Übergreifen des Feuers auf die anliegenden Gebäude durch den Einsatz von über 250 Feuerwehrleuten gerade noch verhindert werden.

Im Januar 1997 war der Großbrand der Firma Bio-Chema in Memmingen zu verzeichnen. Ein Großaufgebot von 400 Einsatzkräften nahm die Brandbekämpfung in dem Chemiebetrieb auf. Erschwert wurden die Löscharbeiten durch die im Unternehmen gelagerten Gefahrgüter.
Nach diesem Einsatz stellte sich auch für uns die Notwendigkeit von Übungen und Weiterbildung im Bereich Umweltschutz und Gefahrgut als immer wichtiger dar, um auch dieser neuen potenziellen Gefahr im Einsatz gewachsen zu sein.

Um auch in Zukunft die Wehrstärke sichern zu können, wurden um die Jahrtausendwende Überlegungen zur Aufstellung einer Jugendfeuerwehr gemacht. Günter Demmeler und Andreas Funke erklärten sich dazu bereit diese Aufgabe zu übernehmen. Dadurch konnte im Frühjahr 2001 mit der Ausbildung von sechs Feuerwehranwärtern begonnen werden. Die offizielle Indienststellung wurde am 30.04.2002 anlässlich des jährlichen Maibaumfestes vollzogen.

Im Juni 2002  hieß es in Memmingen Land unter. Nach starken Regenfällen wurde am 05.06.2002 zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt Memmingen der Katastrophenfall ausgerufen. Neben dem Einsatz im Ortsbereich musste unsere Wehr auch zur Unterstützung nach Memmingen ausrücken, was zu einem 3-tägigen Dauereinsatz führte, bei dem zahlreiche Keller und Unterführungen ausgepumpt und tausende Sandsäcke befüllt und verbaut werden mussten.
Auch der Memminger Stadtbach musste ständig überwacht werden, um schnellstmöglich auf ein Übertreten reagieren zu können.

Am 21.09.2003 kam es in der Memminger Recycling-Firma „Neidhard“ zu einem Großbrand, zu dem unsere Feuerwehr ausrücken musste. Die Rauchwolke, die sich aufgrund des verbrennenden Kunststoffs tief schwarz färbte, war dabei über 30 Kilometer weit sichtbar. Nur durch den gebündelten Einsatz der umliegenden Feuerwehren konnte der Brand gelöscht werden.

Trotz der vielen Großbrände in den vorangegangenen Jahren zeigte sich, dass die Technische Hilfeleistung immer mehr in den Vordergrund rückt. So musste unsere Feuerwehr zu dieser Zeit schon fünf bis zehn THL-Einsätze pro Jahr abarbeiten.

Neben einem weiteren Großbrand in Schwaighausen und einer Vermisstensuche im Jahr 2004, rückte unsere Feuerwehr 2007 in den Blick der Öffentlichkeit als am 18.01.2007 der Orkan Kyrill einen Baum in Eisenburg auf ein Haus stürzen ließ und das komplette Einsatzgeschehen vom Fernsehsender TV Allgäu übertragen wurde.

Nachdem unser altes Einsatzfahrzeug, ein Tragkraftspritzenfahrzeug, nicht mehr den heutigen Anforderungen einer Ortschaft mit fast 1500 Einwohnern entsprach, wurde durch den 2006 neu gewählten Kommandanten Thomas Kirchner die Beschaffung eines neuen Fahrzeuges geplant.
Da in Zukunft auch Atemschutzgeräte in Eisenburg zum Einsatz kommen sollten, legten 12 Feuerwehrleute 2007 die Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger mit Erfolg ab.

Die neuen Atemschutzgeräteträger sollten noch im selben Jahr zum Einsatz kommen, als das Amendinger Sägewerk am 21.11.2007 in Vollbrand stand. Hierbei stellte sich die bisherige Schutzkleidung als unzureichend dar, was zur Beschaffung von neuen Überjacken führte.

Nach zahlreichen Verhandlungen konnte im Frühjahr 2008 das neue Fahrzeug entgegen genommen werden, ein Löschgruppenfahrzeug LF 10/6 der Firma Ziegler. Die Einweihung dazu fand im Rahmen eines großen Festes im September des selben Jahres statt.

Neben zahlreichen kleineren Einsätzen rückte unsere Wehr gemeinsam mit den Kameraden aus Amendingen am 19.12.2009 zu einem Garagenbrand in der Südweststraße aus. Temperaturen um die -18 Grad erschwerten die Wasserversorgung, da viele Hydrantendeckel zugefroren waren. Doch dank der über 3000 Liter aus den Tanks der Löschfahrzeuge konnte das Feuer schnell unter Kontrolle gebracht werden. Bei diesem Einsatz hatten die Feuerwehrleute wieder einmal großes Glück, da unweit der Brandstelle über 100 Liter Benzin gelagert waren, die Entzündung aber durch den schnell vorrückenden Angriffstrupp unterbunden werden konnte.

Zahlreiche Keller mussten im Juli 2010 nach einem Starkregen von unserer Feuerwehr ausgepumpt werden.

Die Brandmeldeanlage im neuen Wetterturm, sorgte 2011 für einige Fehlalarme. Durch die Umstellung auf die Integrierte Leitstelle Donau Iller am 08.11.2011 kam es zu einigen Neuerungen im Alarmierungs- und Funksystem.

Auch die Ausbildungsanforderungen sind in den letzten Jahren angestiegen, so verfügt unsere Feuerwehr zum heutigen Tage über 33 Feuerwehrleute , davon 17 ausgebildete Atemschutzgeräteträger und 10 Maschinisten, aufgeteilt auf drei Löschgruppen. In den Lehrgängen für die Feuerwehren der Stadt Memmingen wirken je zwei Ausbilder bei der Atemschutz- und Maschinistenausbildung mit.

Und doch ist trotz der Perfektionierung der technischen Geräte und Löschmittel der Feuerwehrmann im Vordergrund geblieben. Mit seinem Willen und Bestreben, dem anderen zu helfen und Schaden und Gefahr abzuwenden. So bleibt auch der Freiwillige Feuerwehr Eisenburg mit der heutigen und den folgenden Generationen diese alte Tradition im Sinne ihrer Vorgänger weiterzuführen und zu erhalten.

Gott zur Ehr
dem Nächsten zur Wehr

Text:Julian Schedel


 

 
 


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